Meine Meinung zum Windpark Surselva

Das Projekt Windpark Surselva                     

Gedanken dazu von Martin Jäger, Februar 2012

Die Firma Altaventa AG plant zusammen mit Partnern aus der Strombranche den grössten Windpark der Schweiz in der Surselva zu erstellen. Dazu habe ich mir meine Gedanken gemacht.

Energie im Kanton Graubünden

Der Kanton Graubünden produziert viermal mehr elektrische Energie, als im Kanton selbst verbraucht wird. Um dieses grossartige Ziel zu erreichen wurden viele Bergtäler mit fruchtbaren Alpen, ja sogar einzelne Dörfer von Stauseen überschwemmt. Viele Bäche sind durch lange Stollen umgeleitet worden und zum Rinnsal verkümmert. Vertragliche Restwassermengen müssen laufend mit den Betreibern der E-Werke erstritten werden. Das neueste Projekt umfasst den oberen Teil des Tscharbach in Obersaxen, der nun auch noch in eine Druckleitung gezwängt wird. Unter diesem neuen Projekt sind die bisherigen Wasserrechtsnutzer sogar bereit, alte Verträge neu zu verhandeln.

Neue Energiequellen im Kanton Graubünden

Nach dem Entscheid der Schweiz, sich von Atomkraftwerken zu verabschieden, werden neue Energiequellen gesucht. Insbesondere dank grosszügiger Unterstützung des Bundes mittels der "Kostendeckenden Einspeise Vergütung (KEV) entstehen viele Projekte, so auch das Projekt "Windpark Surselva". Gemäss einer Studie des Kantons Graubünden stehen zurzeit 80 Anträge für Windkraftanlagen (WKA) auf der Warteliste.

Der Windpark in Zahlen

Die Initianten lassen Zahlen sprechen: Megawatt, Gigawatt, Nennleistung, effektive Leistung usw. dazu die Anzahl Windräder zwischen 40 und 60, ja bis 100. Leider veröffentlichen sie weder echte Messwerte noch Pläne über die genauen Standorte. So erhalten die Einwohner der Surselva nur immer gezielt gestreute Informationen über angebliche Steuereinnahmen, Pachtzinsen und Arbeitsplätze; den Rest müssen sie sich selbst zusammenreimen.

Leistung der Windanlagen in der Schweiz

Entscheidend ist, ob die Windräder den Strom dann einspeisen, wenn er benötigt wird. Ein grosser Teil der Produktionszeit fällt leider nicht mit den Spitzenlasten des Schweizerischen Stromnetzes zusammen.

Aus der Homepage des EWZ berechnen wir, dass die heutigen Schweizer Anlagen des EWZ (z.B. Gütsch) je nach Standort ca. 14% ihrer Nennleistung erbringen. Für den Windpark Surselva wird von den Initianten optimistisch sogar mit ca.17% gerechnet. Die EWZ-Anlagen in Norwegen hingegen leisten ca. 36%, also mehr als doppelt soviel wie hier in der Schweiz!
Ist die Surselva ein guter Standort für die Energiegewinnung durch Wind?

Der erzeugte Strom wird bei der Windkraftanlage (WKA) gemessen. Der verkaufte Strom jedoch beim Verbraucher. Die gesamten Transportverluste, die Steuerungsverluste (systemische Verluste) werden nicht abgezogen. Ebenso wenig wird die Leistung abgerechnet, in welcher der produzierte Strom überhaupt nicht verwendet werden kann. Der tatsächlich verbrauchte Strom jedoch wird beim Konsumenten gemessen und ihm als grüner Strom verrechnet. Die Elektrizitätswerke verkaufen dieselbe Menge grünen Strom, die an einem eventuell weit entfernten Standort produziert wird und nicht nur soviel, wie beim Kunden als ebenso grüne Strom ankommt!
Die Differenz wird mit normalem Strommix aufgefüllt (Kohle, Gas, Wasser, Kernkraft).

Auf die Milchwirtschaft angewendet heisst das etwa so: „Sie haben für 100 Liter Schweizer Alpenmilch bezahlt und erhalten jetzt ein 100%iges Schweizer Produkt! Unterwegs haben wir zwar für Transport und Steuerung einen Viertel davon verloren. Wir haben diesen Verlust aber mit Wasser nachgefüllt, denn: Sie haben ja 100 Liter bestellt!!“

Die von der Windkraftlobby versprochenen Zahlen sind deshalb nicht die ökologisch verwertbaren, sondern stammen oft aus theoretischen berechnungen.. Produzierter - jedoch nicht verbrauchter - Strom ist verlorener Strom und darf ehrlicherweise nicht als „Leistung“ gerechnet werden. 

Stromproduktion in der Schweiz

Zurzeit produzieren alle heutigen Windkraftanlagen der Schweiz zusammen ein halbes Promille der gesamten Schweizerischen Stromproduktion.

Wenn wir nun den produzierten Atomstrom ca. 40% durch Windkraftanlagen ersetzen wollen, dann müssten wir in der Schweiz zwischen 800 und 1'000 Windparks errichten in der Grössenordung des Windpark Surselva. Auf den Kanton Graubünden umgesetzt heisst das, wir müssten nochmals ca. 150 solcher Parks errichten.

Die angeblich ökologische Motivation der Initianten

Die Initianten erwähnen gerne die globale Erderwärmung und als typisches Beispiel eine Insel im Pazifik, der heute bereits das Trinkwasser ausgeht. In der Schweiz wird kaum Strom verwendet, der CO"-produzierenden Werken stammt. 55% stammen aus der Wasserkraft und 40% aus Atomkraftwerken. Mit etwas Stromsparen könnten wir weit mehr gewinnen, als mit der Installation des gigantischen Windparks in der Surselva.

Fakten und deren Aussagen

Ich versuche hier ein paar einfache Fakten zusammenzutragen und für 40 Windräder auszuwerten - in einzelnen Publikationen werden sogar 100 WKAs genannt. Die Daten basieren von vergleichbaren Anlagen im Jura.

Fundament: Durchmesser 14m, Tiefe 3m, 465m3 Erde; aufgefüllt mit 400m3 Beton = 1'000 Tonnen und 52 Tonnen Stahlarmierung.

Wenn der Abstand von WKA zu WKA nur 200m ist wird die mit WKAs bestückte Strecke 8km lang.
Bei 100 WKAs mindestens 20km lang.

Ein Sicherheitsabstand wegen Eiswurfes ist notwendig, 300m auf jeder Seite, 
            das heisst, ca. 240-280ha gefährdetes Land müsste für Mensch und Tier gesperrt sein.
            Die Rotoren schleudern Eisstücke mit einer Geschwindigkeit bis zu 300kmh von sich.

Mit den geplanten Anlagen werden 40'000 Stadt-Zürcher-Haushalte versorgt.
Warum Stadt-Zürcher Haushalte?
Die Initianten betonen doch immer wieder, dass damit alle Haushalte des Kt. Graubünden beliefert werden könnte.

Überkapazitäten

Laut einer Studie des Frauenhofer IWES sind im Jahr 2010 in Deutschland etwa 100 GWh Windstrom nicht ins Netz gegangen, weil dessen Aufnahmefähigkeit am Limit war und der Strom zu Unzeiten produziert wurde.
Was zeigen die heutigen Studien auf der Alp Nova? Wird der Strom zu besseren Zeiten produziert?   

Eingriff in die Natur

Die Eingriffe in die Natur sind monströs! Bereits für die ersten 40 WKAs wird ein Vielfaches an Land geopfert, als für alle Bauten der Bergbahnen Obersaxen/Lugnez zusammen verbaut wurde.

Ein Rückbau der Eingriffe in die Natur ist höchsten für Anlageteile über dem Boden möglich und das nur mit immensem Aufwand. Wer finanziert diesen Aufwand? Wer sichert ihn für die Zukunft ab?
Haben wir aus dem Beispiel der Holzindustrie in Domat-Ems nicht gelernt?  

Das Renaturieren der Fundamente (40'000 Tonnen Beton) sind auf einer Höhe von über 2'000MüM innerhalb von Jahrzehnten kaum möglich.

 Martin Jäger, Tschappina Obersaxen & Küsnacht, Februar 2012